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Willy-Brandt-Medaille verliehen: Wilfried Dengel erhielt die höchste Mitglieder-Auszeichnung der SPD

Ortsverein

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Willy-Brandt-Medaille verliehen: Wilfried Dengel erhielt die höchste Mitglieder-Auszeichnung der SPD
Wertheim. Seit über 40 Jahren ist Wilfried Dengel Mitglied der SPD, sechs Jahre lang war er Vorsitzender des Wertheimer Ortsvereins. Doch mit oder ohne Amt: Engagiert hat er sich immer, bis zum heutigen Tag. Dafür wurde er am Dienstagabend mit der Willy-Brandt-Medaille, der höchsten Auszeichnung der Partei für eines ihrer Mitglieder, geehrt.
In seiner Laudatio ging Ortsvereins-Ehrenvorsitzender Gernot Schulz auf den Lebensweg des am 15. Februar 1943 in Ostpreußen geborenen Dengel ein. Den Vater verlor er noch im gleichen Jahr. Die Mutter floh mit den drei Kindern, als die Front des Zweiten Weltkriegs näher rückte. In Leipzig ging Dengel zur Schule und "da erhalten wir den ersten Hinweis auf den geradlinigen Charakter", so Schulz.
Denn der nun zu Ehrende verweigerte die sozialistische Jugendweihe, er ließ sich als Einziger seiner Klasse konfirmieren. Als Folge wurde dem seinerzeit 14-Jährigen eine Lehre als Stahlbauschlosser "verordnet". Auch deshalb kehrte man 1957 von einem Besuch im Westen nicht mehr in die DDR zurück und war somit zum zweiten Mal Flüchtling geworden.
Sozialdemokratische Grundwerte
In Mülheim an der Ruhr arbeitete Dengel erst als Laufbursche, eine Ausbildung im Elektrohandwerk folgte. Es kamen die Heirat und die Geburt dreier Kinder. Den Besuch der Werner-von-Siemens-Fachschule in Mannheim beendete er mit dem Abschluss als Staatlich geprüfter Techniker, Fachrichtung Elektronik. Bei der Wertheimer Firma Industronic fand Dengel schließlich eine berufliche Heimat und leistete 33 Jahre lang erfolgreiche Arbeit.
In die SPD trat er 1969 in Ludwigshafen ein, rekapitulierte Schulz. "Das war keine Zufallsentscheidung. Sozialdemokratische Grundwerte finden sich zuhauf in seinem Lebensweg, auch abseits der Politik." Der Laudator erwähnte Tätigkeiten Dengels als vom Amtsgericht bestellter Betreuer hilfsbedürftiger Personen, als Hauptschöffe beim Amtsgericht Tauberbischofsheim und beim Landgericht Mosbach sowie die Mitgliedschaft im "Helferkreis Wertheim".
Politisch aktiv wurde er erstmals bei den Jusos in Ludwigshafen und nach dem Umzug nach Wertheim im Jahr 1973 im hiesigen Ortsverein, zu dessen Vorsitzendem man ihn 1979 wählte. In Dengels Amtszeit, erinnerte Schulz, fällt das "historisch herausragende Ergebnis" bei den Gemeinderatswahlen 1980 mit über 43 Prozent der Stimmen und 14 von 31 Sitzen im Stadtrat. Im gleichen Jahr wurden bei der Bundestagswahl fast 41 Prozent erreicht. Es fiel aber auch "die schlimmste Niederlage" hinein, als 1981 der der SPD angehörende Oberbürgermeister Karl Josef Scheuermann abgewählt wurde.
Wilfried Dengel sei "so etwas wie die gute Seele des Ortsvereins, eine Institution qua Persönlichkeit". Kennzeichnend für ihn seien Einsatzbereitschaft, Zielstrebigkeit, Hilfsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Zivilcourage, Augenmaß und Glaubwürdigkeit. Er habe sich nie entmutigen lassen, "sondern vielmehr die Ärmel hochgekrempelt". Als Zeitzeuge könne er sagen, "Wilfried Dengel hat sich mit einer unglaublichen Intensität engagiert". Über seine Amtszeit als Vorsitzender sei sein eigentliches Verdienst "sein unermüdlicher Einsatz für die SPD über mehr als drei Jahrzehnte. Er war und ist Impulsgeber, Antreiber, Mahner, aber auch Macher, der sich für die Kärnerarbeit nicht zu schade ist".
Die Willy-Brandt-Medaille an Dengel überreichte der Landesvorsitzende Nils Schmid. Er bezeichnete die SPD dabei als "Partei der Veränderung und Bewegung". Nie sei sie die "Partei des Stillstands" gewesen. Mit den Worten "es waren Sozialdemokraten" leitete Schmid jeweils die Aufzählung bedeutender Verdienste ein. Ausführlich ging er auf die Zeit der Bundeskanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt ein. Aber auch in der jüngsten Regierungszeit unter Gerhard Schröder habe man es "gar nicht so schlecht gemacht" und auf wichtigen Politikfeldern die Weichen neu gestellt. Die SPD werde am Ausstieg aus der Atomenergie festhalten, versicherte der Redner und sah die Debatte darüber, nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, als "endgültig erledigt" an.
"Würde der Arbeit"
Breiten Raum nahm in der mehrfach von Beifall unterbrochenen Rede das Thema "Würde der Arbeit" ein, die Schmid nicht nur bei einer "Kündigung wegen ein paar Maultaschen" verletzt sah. Für ihn gehörte ein Mindestlohn dazu, aber ebenso, dass Unternehmer ihre Beschäftigten "mit ihrem Engagement und ihrer Kompetenz ernst nehmen". Die Mitbestimmung, die in Baden-Württemberg im öffentlichen Dienst gerade eingeschränkt werden solle, sei "ein Trumpf in der Gesellschaft".
Deutliche Kritik an der Landesregierung übte der Redner in Sachen Bildungspolitik. Studiengebühren erteilte er eine Absage. Schmid sprach sich für eine Änderung des Länderfinanzausgleichs aus, notfalls auch per Klage. Das entbinde die Landesregierung aber nicht davon, ihre finanzpolitischen Hausaufgaben zu machen.
Die Bundesregierung geißelte er mit den Worten, sie sei "kein Ausdruck des Volkswillens, sondern dessen, was ein Volk ertragen kann". Es sei unerlässlich, dafür zu sorgen, dass die Politik wieder Vorrang habe vor den Finanzmärkten. Der soziale Zusammenhalt sei Ziel der SPD. Man dürfe nicht den Egoismus, und damit die menschliche Schwäche, zur höchsten Tugend erklären.
Fränkische Nachrichten (ek)
14.05.2010
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23.09.2010, 19:00 Uhr SPD-Vorstand
27.10.2010, 19:00 Uhr SPD-Vorstand
16.11.2010, 19:00 Uhr SPD-Vorstand
Liebe kann man lernen. Und niemand lernt besser als Kinder. Wenn Kinder ohne Liebe aufwachsen, darf man sich nicht wundern, wenn sie selber lieblos werden.
[Astrid Lindgren (1907-2002), schwedische Kinderbuchautorin (Pipi Langstrumpf)]
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